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Schützende Schürzen

In einer Sonderausstellung gibt das Landschaftsmuseum Unewatt Einblicke in die Geschichte eines besonderen Kleidungsstücks

Bei der neuen Sonderausstellung des Landschaftsmuseums Angeln in Langballig geht es um ein Kleidungsstück, das früher eine große Bedeutung hatte: die Schürze. Corona-bedingt ohne formelle Eröffnung werden im Nebengebäude der Wassermühle 39 Exemplare für ganz unterschiedliche Zwecke und Anlässe präsentiert. Hinzu kommen alte Fotos, die zeigen, dass früher kaum eine Frau ohne Schürze ging. Gleichzeitig gab sie Hinweise auf Lebensumfeld, Arbeit und Stand. So nutzte die Hausfrau Schürzen mit Taschen, um darin Geldbörse und Schlüssel aufzubewahren. Im Gegensatz zum an der Vorderseite geknöpften Kittel wird eine Schürze um die Hüften gebunden und so die darunter getragene Kleidung geschont. Zu diesem Zweck gab es eine Fülle verschiedener Arbeitsschürzen aus widerstandsfähigen Stoffen. In Angeln trugen die Frauen auf dem Hof und im Stall meist dunkelblau eingefärbte sogenannte „Schuuten“ über der Hausschürze. Bei groben Arbeiten kamen als dritte Lage Sackschürzen aus Jutesäcken hinzu. Sie wurden auch als Tragegefäß verwendet, zum Beispiel beim Kartoffelnholen. Im Haushalt hingegen dominierte weißes Leinen. Einem anderen Zweck dienten die Sonntags- oder Festtagsschürzen, die vielerorts auch Teil der traditionellen Tracht waren. Aufwendig gearbeitet und gestaltet sowie mit Ornamenten versehen, waren sie, wie Ausstellungskuratorin Karen Precht betont, „Demonstrationsobjekte weiblicher Handfertigkeit und Ausdruck eigener Wertschätzung“. Eine Besonderheit stellten schwarze Trauerschürzen dar, die während des gesamten Trauerjahres getragen wurden. Einige weitere unter den vielen Sonderformen waren Lätzchen für Kleinkinder, Klammerschürzen beim Wäscheaufhängen oder später Cocktailschürzen. Die Kittelschürze stellt eine Mischform dar. In bestimmten Handwerksberufen gehörte eine Schürze auch bei Männern zum Arbeitsalltag, zumeist als Schurz bezeichnet. Dies galt für Kellermeister im Weinbau, für Metzger oder Zimmerleute. Schmiede trugen einen Lederschurz gegen den Funkenflug. Noch heute ist ein Schurz Teil der Tracht der Freimaurer. Er diente früher den Steinmetzen und Maurern als Schutz vor Steinsplittern und abgerutschten Hammerschlägen. In erster Linie aber war eine Schürze ein weibliches Kleidungsstück. Ihren Stellenwert beschreibt der Satz „Een Fru ohn Schört is as een Huus ohn Döör.“ Im übertragenen Sinne stand der Begriff sogar für die Frau. Viele Sprichworte machen das deutlich: „He is dull achter de Schörten her“ kennzeichnet den „Schürzenjäger“. Bei „In diesem Hause sind die Schürzen klüger als die Männer“ kommt das starke Geschlecht ausgesprochen schlecht weg. In diesem Zusammenhang werden Frauen aber gleichzeitig zu einer Sache gemacht, was sicherlich auch Ausdruck früherer rechtlicher Ungleichheit war. Bei der Vorbereitung der Ausstellung fand Kuratorin Precht große Unterstützung bei den Unewatter Frauen. Sie haben viele Exemplare zur Verfügung gestellt. „Drei Monate habe ich eine Kittelschürze gesucht und dann eine hier vor Ort gefunden“, so Precht. Jetzt will Precht noch eine „digitale Schürzenparade“ zusammenstellen und bittet darum, entsprechende Fotos zuzusenden an info@museumunewatt.de . Der Schwerpunkt liegt dabei auf der Gegenwart: „Wer trägt heute noch Schürze?“ Die Sonderausstellung ist bis zum Saisonende im Oktober geöffnet und Teil des allgemeinen Museumsrundganges.