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Kulturverein plant Netzwerk für Kreative

Christina Kohla übernimmt nach fünf Jahren den Vorsitz von Heiko Traulsen – und plant einen „Runden Tisch für Kultur in Kappeln“.

Vor etwas mehr als fünf Jahren erblickten der „Profundus Kulturverein der Stadt Kappeln – Mitbegründer Walter Plathe e.V.“ und die mit ihm verbundene Kulturstiftung das Licht der Kappelner Welt. Und seitdem haben Verein und Stiftung jenes Licht durchaus beeinflusst – manchmal zart schimmernd, dann kräftig funkelnd, vereinzelt sogar intensiv gleißend, je nachdem was beide gemeinsam gerade ausgestrahlt haben. Fast geblendet, allerdings ausschließlich im positiven Sinne, wurde man beispielsweise im Sommer 2014, als mithilfe der Stiftung ein bemerkenswertes Projekt umgesetzt werden konnte, das die Künstler Till Warwas, Lars Möller und Ulf Petermann erst mit Pinsel und Staffelei überall in der Region umher schickte und ihre Ergebnisse anschließend im Kunsthaus Hänisch präsentierte. Ein wichtiger Baustein auf dem Weg, den Bürgermeister Heiko Traulsen, Initiator, Gründungsmitglied und bis vor Kurzem Vorsitzender des Kulturvereins, schon zu Beginn ausgeleuchtet hatte: Kappeln zum Beinamen „die Kulturstadt“ zu verhelfen. Jetzt soll ein weiterer Baustein hinzukommen, und dafür hat Traulsen nach eigenen Worten den Vereinsvorsitz bei der jüngsten Mitgliederversammlung des Kulturvereins freigemacht: Künftig steht Dr. Christina Kohla, Kunsthistorikerin und langjährige künstlerische Leiterin des Kunsthauses Hänisch, dem Kulturverein vor – auch um künstlerische Ansätze wahr werden zu lassen, über die Traulsen sagt: „Es können Aushängeschilder für Verein, Stiftung und die ganze Stadt werden.“ Und dafür sei Kohla die richtige in dieser Position. Das Kapital der Stiftung ist derweil seit ihrer Gründung von knapp 80.000 Euro (gestützt von einem erheblichen Betrag des Unternehmens Profundus und dem zu diesem Zeitpunkt aufgelösten „Landarzt“-Fonds) auf inzwischen 95.000 Euro angewachsen. Und auch unter Kohlas Leitung bleibt der Grundgedanke derselbe: Das Kapital soll weiter vermehrt werden und so eine verlässliche und ebenfalls steigende Ausschüttungssumme ermöglichen. Dabei ist die Kulturstiftung unter dem Dach der Bürgerstiftung der Nord-Ostsee Sparkasse zu Hause. Allerdings entscheidet der hinter der Kulturstiftung stehende Verein losgelöst von der Nospa, welche kulturelle Einrichtung oder welches kulturelle Projekt wie viel Geld wofür erhält. Und auch in diesem Punkt sind erste Erfolge sichtbar: Während die erste Ausschüttung noch bei 250 Euro lag, konnte der Verein im zurückliegenden Jahr bereits 2800 Euro verteilen. Davon profitierten nach den Worten Heiko Traulsens unter anderem das Kunsthaus („Um das damals etwas trubelige Fahrwasser zu beruhigen.“) und ein geplantes Buch des Arnissers Nikolaus Schmidt über seine Heimatstadt. Und immer wieder gibt es Menschen, die umgekehrt die Stiftung finanziell bedenken, weil ihnen Kunst und Kultur in Kappeln mindestens genauso wichtig sind. Vorstandsmitglied Volker Ramge weiß um die Bedeutung dieser Einstellung und lobt: „Das ist alles bürgerliches Engagement und kein öffentliches Geld.“ Dass am Ende trotzdem die Öffentlichkeit der Nutznießer ist, ist durchaus gewollt, immerhin existiert etwa das von der Stiftung bedachte Kunsthaus ja nicht zum Selbstzweck, sondern um das städtische Leben zu bereichern. Und genau da knüpft nun Christina Kohla als neue Vereinsvorsitzende an, indem sie zu einem „Runden Tisch für Kultur in Kappeln“ aufruft. Dahinter steckt der Wunsch, Kreativität, die in vielen Ecken der Stadt schon vorhanden ist, in anderen vielleicht noch darauf wartet, geweckt zu werden, an einer Stelle zusammenzubringen. Kohla sagt: „Es ist ein Wagnis, aber wir trauen uns jetzt einfach mal.“ Denn damit geht auch das Bestreben einher, eine bessere Koordination zu schaffen, vertraute, aber vielleicht überholte Strukturen zu hinterfragen und am Ende Verantwortungen zu verteilen. Das Ziel aber sollte dazu auffordern, das Experiment anzugehen: „Es kann ein Netzwerk entstehen“, sagt Kohla. „Projekte können gemeinsam entwickelt, Kräfte gebündelt und Kompetenzen zusammengebracht werden.“ Und Corinna Graunke, ebenfalls Gründungsmitglied und eben großzügiger Sponsor, verbindet noch eine andere Hoffnung damit: „Wir wollen Mitstreiter für unseren Kulturverein gewinnen und so ein richtiges Vereinsleben auf die Beine stellen.“ Termin für den ersten „Runden Tisch“ ist Donnerstag, 26. Januar, 19 Uhr, im Raum des Gastes.

Quelle:SHZ Foto:rn