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Geltinger Birk: Neue Heimat für Otter

Gestern wurden drei verwaiste und wieder aufgepäppelte Jungtiere in die Freiheit entlassen

Drei kleine Fischotter waren als Jungtiere am Plöner See gerettet worden, da das Muttertier offensichtlich verunglückt war und nicht mehr zu ihnen zurückkehrte. Der Fischotter-Experte Dirk Fußhahn von der in Nordhastedt ansässigen Wildtierhilfe Fiel nahm im April die etwa dreiwöchigen und völlig abgemagerten Waisenkinder unter seine Fittiche, achtete jedoch darauf, dass stets ein deutlicher Abstand zum Menschen gewahrt blieb. Denn eine enge Zutraulichkeit hätte dazu geführt, dass sie ihre Fähigkeit zum Überleben als Wildtiere in freier Natur verlieren könnten. Die Wahl des Auswilderungsraumes fiel auf die Geltinger Birk. Ausschlaggebend für diese Entscheidung waren Kriterien wie das reiche Nahrungsangebot, keine Besiedlungskonkurrenz und der ungestörte Lebensraum. Gestern nun war es so weit: Fußhahn öffnete die Tür zur Transport-Box, aus der die längst wohlgenährten jungen Otter, zwei Weibchen und ein Männchen, ins Freie springen konnten. Nacheinander tauchten sie im Hauptentwässerung-Kanal der Birk ein und unter. „Ein schönes Happy End war das“, freute sich Arne Drews, der Artenschutz-Beauftrage des Landesamtes für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume. Nils Kobarg, Leiter der Integrierten Station Geltinger Birk, berichtete, dass im Naturschutzgebiet schon Spuren von durchziehenden Fischottern zu finden waren, doch handelte es sich bei diesen Tieren vermutlich um Durchzügler aus Dänemark. Die Neuankömmlinge sind gechipt, so dass später festgestellt werden kann, ob sie ihrem neuen Domizil auf der Geltinger Birk auch treu geblieben sind. Um Nachwuchs zu zeugen, müssen die Weibchen wohl auf vagabundierende Partner aus Dänemark warten, vermuten die Experten. Ob Süß- oder Salzwasser – der bis zu zehn Kilogramm schwere Fischotter kommt in beiden Lebensräumen gut zurecht, denn er ist eine dem Wasserleben optimal angepasste Marderart. Er gilt als bester Schwimmer unter den Landraubtieren. Bis zu acht Minuten kann der Jäger tauchen. Seine bevorzugten Lebensräume sind Überschwemmungsgebiete wie auf der Birk und zugewachsene Ufer. Seine Beute sind Fische, aber auch an Land stellt er bisweilen Wildenten, Möwen und Wildkaninchen nach. Sein Hauptfeind ist der Seeadler, aber auch streunende Hunde bedrohen ihn. Seit 1968 ist der possierliche Räuber vor den Menschen durch ein Jagdverbot geschützt. Eine Besonderheit sind Schwimmhäute zwischen den Zehen, an denen sich lange Tasthaare befinden. Sie dienen zur perfekten Orientierung in trübem Wasser. Ähnlich wie Biber legen Fischotter einen Unterwasserbau an, der ihnen Schutz bietet – und Luft nach oben zum Atmen lässt.