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Der Kröten-Papa

Moritz Ott hat Tausende kleine Kreuzkröten aufgezogen. Auf der Geltinger Birk entließ er sie jetzt in die Freiheit.

 

Nieby | Kröten-Papa? Naja, so richtig gern hat Moritz Ott von der Stiftung Naturschutz diesen Titel wohl nicht. „Wildtierökologie ist mir lieber“, sagt der blonde junge Mann und lacht, denn eigentlich trifft „Kröten-Papa“ seine Aufgabe in den vergangenen Wochen doch ganz gut. Gemeinsam mit seinen Mitstreitern – dem Partner-Unternehmen Amphi-Consult und Nils Kobarg von der Integrierten Station Geltinger Birk – hat Ott der Natur auf der Birk nachgeholfen, genauer gesagt der Vermehrung der Kreuzkröten. Die waren hier schon beinahe ausgestorben. Jetzt leben wieder Tausende Tiere in freier Wildbahn zwischen Strand und Birkland – Früchte der Arbeit von Biologen und Ökologen, die sich um eine sichere Kinderstube für die Amphibien kümmern. WERBUNG In der gefährlichen Kinder- und Jugendzeit zwischen Ei, Kaulquappe und Jungkröte nehmen die Wissenschaftler der Krötennachwuchs in ihre Obhut, denn: „Da frisst sie quasi jeder“, erläutert Moritz Ott, der in diesem Jahr verantwortlich ist. Er berichtet davon, wie er und Nils Kobarg im Frühjahr die Laichschnüre von Kreuzkröten einsammelten, wie etwa 5000 Eier in die Aufzuchtstation kamen, über die zum Schutz vor Fressfeinden ein Netz gezogen wurde. Doch nicht einmal dort war der Krötennachwuchs sicher. „Eine Bachstelze auf der Suche nach Nahrung für ihre Kinder, hatte sich ausgerechnet auf unsere Becken spezialisiert und es immer wieder geschafft, das Netz zu umgehen und Beute zu machen“, berichtet der 31-Jährige. Dann zeigt er auf die Kisten mit Pferdemist, in dem die kleinen Kröten jetzt sitzen – „Pferdemist zieht schön viele Insekten an, das ist gute Nahrung“ –, die sich im Kofferraum seines Geländewagens stapeln und sagt: ‚Aber die hier, die haben die heikle Phase überstanden. Die müssen nun sehen, dass sie sich schnell Speck anfressen, um den Winter zu überstehen.“ Also sucht Ott auf der Birk nach einem geeigneten Ort, wo er die 1200 Tierchen in die Freiheit entlassen kann, wo sie ihre ersten Schritte tun können – tatsächlich sind es Schritte, denn Kreuzkröten hüpfen nur selten. Sie krabbeln lieber, weil ihre Hinterbeine im Vergleich zur Körpergröße recht kurz sind. Warum brauchen die Amphibien überhaupt Hilfe? Auf dem rumpeligen Weg in die Natur berichtet Ott davon, dass die Kröten durchaus gute Überlebensstrategien hätten, mehrmals im Jahr Tausende Eier in temporären Wasserstellen wie Ackerpfützen und Pflugfurchen legen, wo es Fressfeinde schwer haben. Da müsste die Fortpflanzung doch gesichert sein? Den Amphibien fehle der Schutz ihres angestammten Lebensraumes, weiß der Fachmann. Es fehlen die temporären Gewässer. Selbst auf der Birk gebe es aufgrund der Uferbefestigung kaum Küstendynamik. Tümpel und Wasserstellen würden dort künstlich angelegt, um den einstmals natürlichen Lebensraum neu zu schaffen – für Tiere wie die Kreuzkröte. „Die Art wie wir mit der Natur umgehen, wie wir Landwirtschaft betreiben, wie wir bauen, ist krass“, findet der Kröten-Fachmann. Die Natur werde mehr und mehr verdrängt. Er selbst erlebe in ihr die Faszination der totalen Entschleunigung. Dass solche Gebiete wie die Geltinger Birk – „einer der schönsten Orte, die ich kenne“ – erhalten bleiben, dass sei für ihn in seiner Arbeit ein großer Antrieb. Der Wagen mit den Kisten hält. Moritz Ott hat Tümpel in Strandnähe ausgemacht. Hier lässt er die kleinen Hüpfer los, damit die Kleinen im Schutz dicht bewachsener Wasserstellen auf Insektenjagd gehen können und die Großen eine reelle Chance haben, den Strand zu erreichen. Dort sitzen Kreuzkröten nämlich am Liebsten im Tang und warten auf fette Beute. > Info zum Artenschutzprojekt „Frosch und Freunde“: www.stiftungsland.de

– Quelle: www.shz.de/20492867 ©2018